Der Spruch
Kaum ein taktisches Konzept hat die Bundesliga der letzten drei Jahrzehnte so geprägt wie das Pressing. Den eigentlichen Bruch mit der alten Libero-Fußballwelt markierte allerdings nicht Klopp, sondern ein Auftritt im ZDF-Sportstudio am 19. Dezember 1998: Ralf Rangnick erklärte Moderator Michael Steinbrecher dort in aller Ruhe am Taktikbrett die Viererkette und das ballorientierte Pressing, zu einer Zeit, in der die Liga fast geschlossen auf den Libero schwor. Die Fachwelt reagierte zunächst mit Spott und verpasste ihm den Spitznamen „Fußball-Professor", gemeint war das damals alles andere als ein Kompliment.
Gut anderthalb Jahrzehnte später hat Jürgen Klopp mit Borussia Dortmund das Gegenpressing dann richtig populär gemacht, RB Leipzig hat seine gesamte Vereinsidentität darauf aufgebaut. „Gegenpressing ist der beste Spielmacher der Welt", brachte Klopp es einmal auf den Punkt: Kein Spielmacher könne so zuverlässig gute Chancen kreieren wie eine gewonnene Balleroberung direkt vor dem gegnerischen Tor. Selbst bei Trainern, die man zuerst mit Ballbesitz verbindet, Guardiola und in der Bundesliga zuletzt Hansi Flick, gerät gerne in Vergessenheit, dass sauberes Pressing die eigentliche Grundlage ihres Spiels ist, nicht bloß eine Ergänzung dazu. Mittlerweile nickt praktisch jeder TV-Experte andächtig, wenn ein Team den Gegner schon im eigenen Drittel attackiert, statt gemütlich das eigene Tor zu verteidigen. Die daraus abgeleitete Trainerweisheit klingt inzwischen fast wie ein Naturgesetz: Wer früh und intensiv presst, gewinnt am Ende die Bälle zurück, die Spiele und irgendwann die Meisterschaft.
Eine steile These, und genau die Art, die sich mit einem Datensatz entweder untermauern oder entzaubern lässt. Wir haben zwölf komplette Bundesliga-Saisons durchgerechnet.
Die Datenbasis
Grundlage sind alle 3.672 Bundesliga-Ligaspiele der zwölf Saisons 2014/15 bis 2025/26 – der komplette Zeitraum, für den Understat die nötige Pressing-Kennzahl führt. Aus diesen Spielen ergeben sich 216 Team-Saisons (18 Teams pro Spielzeit, über den gesamten Zeitraum 30 verschiedene Vereine durch Auf- und Abstiege). Für jede Team-Saison kennen wir die Punktausbeute, den Tabellenplatz und die zentrale Kennzahl dieses Artikels: PPDA.
Kurz erklärt — PPDA (Passes per Defensive Action)
Kurz erklärt — PPDA (Passes per Defensive Action): Wie viele Pässe der Gegner im Schnitt spielen darf, bevor das eigene Team eine Abwehraktion setzt (Zweikampf, Balleroberung, Foul) – und zwar im gegnerischen Mittelfeld- und Angriffsdrittel, nicht in der eigenen Hälfte. Ein niedriger Wert heißt: Der Gegner wird schnell angelaufen, aggressives Pressing. Ein hoher Wert heißt: Das Team lässt den Gegner erst mal in Ruhe aufbauen, passives Verteidigen tiefer im eigenen Feld.
Ein methodischer Hinweis vorweg, der später noch wichtig wird: Auf Einzelspielebene kann PPDA bei sehr einseitigen Partien wild ausschlagen. Beim 1:3 von Hannover 96 gegen Bayern im Mai 2019 etwa stand am Ende eine PPDA von 152,0 für die Niedersachsen zu Buche, schlicht weil sie in diesem Spiel kaum noch zu eigenen Abwehraktionen im Angriffsdrittel kamen. Solche Ausreißer (0,9 % aller Team-Spiele) werden für das Haupt-Pressing-Maß je Saison herausgefiltert, damit nicht ein einziges zerlegtes Spiel den ganzen Saisonschnitt eines Teams verzerrt. Alternative Berechnungen ohne diesen Filter liefern am Ende dasselbe Bild, dazu weiter unten mehr.
Erster Blick: Presst du, punktest du?
Sortiert man die 216 Team-Saisons einfach nach ihrem PPDA-Wert, zeigt sich sofort ein klares Muster.
Team-Saison (216) Trendlinie (OLS)
216 Bundesliga-Team-Saisons, 2014/15–2025/26.
Die Zahlen dahinter: Pearson r = −0,43, Spearman ρ = −0,39, beide mit p < 0,001.
Kurz erklärt — statistisch signifikant / p-Wert
Kurz erklärt — statistisch signifikant / p-Wert: Der p-Wert gibt an, wie wahrscheinlich es wäre, ein mindestens so auffälliges Ergebnis rein zufällig zu beobachten, obwohl es in Wirklichkeit gar keinen Zusammenhang gibt. p < 0,001 heißt: Das wäre extrem unwahrscheinlich, weniger als eine von tausend Wiederholungen. „Signifikant" sagt aber nichts darüber, wie stark ein Effekt ist, nur dass er kein Zufallsprodukt ist.
Noch handfester wird das Muster, wenn man die Team-Saisons in fünf Pressing-Kategorien gruppiert.
| PPDA-Kategorie | Punkte im Schnitt | Team-Saisons |
|---|---|---|
| unter 9 (sehr aggressiv) | 58,8 | 33 |
| 9–11 | 50,1 | 45 |
| 11–13 | 45,4 | 60 |
| 13–15 | 43,0 | 43 |
| über 15 (passiv) | 38,0 | 35 |
Knapp 21 Punkte Unterschied zwischen den beiden Extremkategorien, über fünf Buckets hinweg ohne Zickzack. Und das Muster ist kein Zufallsprodukt einzelner spektakulärer Saisons: In allen zwölf untersuchten Spielzeiten zeigt die Korrelation dasselbe negative Vorzeichen. Nicht jede einzelne Saison ist für sich genommen statistisch signifikant, bei nur 18 Teams pro Jahr ist das auch kaum zu erwarten, aber die Konsistenz über zwölf Jahre hinweg ist genau das, was ein reines Zufallsergebnis normalerweise nicht liefert.
Presst nicht einfach jedes gute Team sowieso mehr?
Eine Korrelation über 216 Team-Saisons ist ein Anfang, kein Beweis. Der naheliegende Einwand: Presst nicht ohnehin jedes starke Team aggressiver, einfach weil es die fitteren, schnelleren und besseren Spieler dafür hat? Dann wäre Pressing kein Erfolgstreiber, sondern nur ein Symptom von Kaderqualität, die sowieso zu mehr Punkten führt.
Kurz erklärt — Konfundierung
Kurz erklärt — Konfundierung: Wenn ein dritter Faktor (hier: die generelle Stärke eines Kaders) sowohl die vermutete Ursache (Pressing-Intensität) als auch die Wirkung (Punkte) beeinflusst, kann ein Zusammenhang entstehen, der gar nichts über eine direkte Kausalität aussagt. Man müsste diesen dritten Faktor herausrechnen, um die eigentliche Frage sauber zu beantworten.
Um das zu prüfen, haben wir eine Regression gerechnet: Punkte in Abhängigkeit von PPDA, der Vorsaison-Punktzahl desselben Teams als grober Stärke-Proxy, und Saison-Fixeffekten, die ligaweite Niveauverschiebungen über die Jahre auffangen. Die Standardfehler berücksichtigen dabei, dass manche Teams bis zu zwölfmal im Datensatz auftauchen und nicht wie unabhängige Einzelbeobachtungen behandelt werden dürfen.
Das Ergebnis: Der PPDA-Effekt bleibt bestehen, sogar deutlich. Koeffizient −1,83 Punkte je PPDA-Einheit, p < 0,001, n = 175 (die restlichen 41 Team-Saisons haben keine Vorsaison innerhalb des Zwölf-Jahres-Fensters, meist Aufsteiger oder die erste erfasste Saison 2014/15). Konkret übersetzt: Ein Team, dessen PPDA um eine Standardabweichung (2,75 Einheiten) niedriger liegt als bei einem vergleichbar starken Konkurrenten, holt im Schnitt rund fünf Punkte mehr pro Saison. Zum Vergleich: Die gesamte Streuung der Saisonpunktzahl liegt bei einer Standardabweichung von etwa 15,2 Punkten. Spürbar, aber kein Effekt, der allein über Meister oder Absteiger entscheidet.
Ein Verein sticht in diesem Datensatz allerdings so stark heraus, dass er das Gesamtbild verzerren könnte: Bayern München hat in allen zwölf erfassten Saisons den niedrigsten Karriere-PPDA-Schnitt unter allen Langzeit-Bundesligisten und gleichzeitig mit Abstand die meisten Punkte. Elf der zwölf Meistertitel im Datensatz gingen an den FC Bayern. Was, wenn die ganze Regression im Kern nur „Bayern presst aggressiv und Bayern ist gut" heißt, verpackt in eine Formel?
Kurz erklärt — Team-Fixeffekte
Kurz erklärt — Team-Fixeffekte: Ein statistischer Kunstgriff, der jedes Team nur noch mit sich selbst über die Zeit vergleicht, nicht mit anderen Teams. Alles, was an einem Klub über die Jahre konstant bleibt (Vereinskultur, grundsätzliche Kaderqualität, Stadion, Fanbasis), fällt damit komplett raus. Übrig bleibt nur die Frage: Presst ein und dasselbe Team in einer Saison aggressiver als sonst üblich – und holt es dann auch mehr Punkte als sonst üblich?
Genau dieser strengere Test wurde zusätzlich gerechnet, mit Team- und Saison-Fixeffekten gleichzeitig. Der Effekt wird kleiner, −1,10 Punkte je PPDA-Einheit statt −1,83, aber er bleibt statistisch signifikant (p = 0,03). Selbst wenn man Bayern München, Union Berlin und jeden anderen Klub nur mit der eigenen Vereinsgeschichte vergleicht, bleibt ein Rest-Zusammenhang übrig: presst ein Team eine Saison aggressiver als in seinen sonstigen Jahren, punktet es tendenziell auch besser. Das ist ein wichtiger Unterschied zum Ballbesitz-Mythos, bei dem eine ähnliche Kontrolle den Effekt komplett kippen ließ. Hier passiert das nicht.
Als letzten Robustheitscheck haben wir die Regression noch mit zwei alternativen PPDA-Berechnungen wiederholt, dem Median statt des getrimmten Mittelwerts und dem völlig ungefilterten Mittelwert inklusive der Ausreißer-Spiele. Beide liefern dieselbe Richtung und bleiben signifikant (Median: −1,39, p = 0,003; ungefilterter Mittelwert: −1,80, p < 0,001). Das Ergebnis hängt nicht an der Wahl des Aggregats.
Kompakt zusammengefasst, drei Blickwinkel auf dieselbe Frage:
| Modell | Koeffizient | Signifikanz |
|---|---|---|
| Naive Korrelation (gepoolt, alle 216 Team-Saisons) | Pearson r = −0,43 | p < 0,001 |
| Kontrolliert (Vorsaison-Stärke + Saison-Fixeffekte) | −1,83 Punkte je PPDA-Einheit | p < 0,001 |
| Nur Team-Fixeffekte + Saison-Fixeffekte (strengster Test) | −1,10 Punkte je PPDA-Einheit | p = 0,03 |
Der Twist: Im einzelnen Spiel dreht sich das Bild
Bis hierhin sieht die These nach einer der saubersten Bestätigungen aus, die wir bei MythCheck bisher gefunden haben. Zoomt man aber von der Saison auf das einzelne Spiel runter, wird die Sache komplizierter.
Auf Spielebene (7.344 Team-Spiel-Zeilen, nach Ausschluss der bekannten PPDA-Ausreißer und Spielen ohne verfügbare Vorsaison-Stärke von Team und Gegner bleiben 5.171 Spiele im Modell) lässt sich der Heimvorteil zusätzlich direkt kontrollieren, was auf Saisonebene nicht sinnvoll möglich ist, weil jedes Team dort ohnehin exakt 17 Heim- und 17 Auswärtsspiele hat. Die rohe, unkontrollierte Korrelation zwischen Spiel-PPDA und Sieg zeigt noch das erwartete Vorzeichen (r = −0,073, schwach, aber in die richtige Richtung). Sobald jedoch Heimvorteil sowie die Vorsaison-Stärke von Team und Gegner kontrolliert werden, dreht sich das Vorzeichen um: Eine höhere, also passivere, Spiel-PPDA ist mit einer höheren Siegwahrscheinlichkeit verbunden, nicht mit einer niedrigeren. Der marginale Effekt liegt bei +0,45 Prozentpunkten Siegchance je PPDA-Einheit (p < 0,001) und bleibt auch unter Team-Fixeffekten bestehen. Als kleiner Realitätscheck für das Modell insgesamt: Der Heimvorteil selbst kommt mit +15,3 Prozentpunkten raus, exakt in der Größenordnung, die man aus anderen Bundesliga-Analysen kennt.
Kurz erklärt — Endogenität (hier
Kurz erklärt — Endogenität (hier: Spielstand-Endogenität): Wenn eine Messgröße nicht nur Ursache, sondern auch Folge dessen ist, was sie eigentlich erklären soll. Übertragen auf dieses Spiel: Ein Team presst nicht unbedingt weniger und gewinnt deshalb. Es presst oft einfach deshalb weniger, weil es bereits gewinnt oder führt. Ursache und Wirkung sind vertauscht, und ein einfacher Koeffizient kann das nicht auseinanderhalten.
Die plausibelste Erklärung: Ein Team, das ein Spiel bereits kontrolliert oder in Führung liegt, muss nicht mehr auf vollen Touren pressen. Die eigene PPDA für dieses Spiel steigt dann als Folge der komfortablen Lage, nicht als deren Ursache, und über 90 Minuten gemittelt sieht das am Ende wie „passiver PPDA-Wert, trotzdem gewonnen" aus. Ein Team, das einem Rückstand hinterherjagt, presst dagegen oft überdurchschnittlich intensiv, ohne dass sich das zuverlässig in einen Ausgleich übersetzt. Strukturell ist das dieselbe Beobachtung wie die „sterile Dominanz" beim Mythos „Ballbesitz gewinnt Spiele", nur mit umgekehrtem Vorzeichen: Dort stieg der Ballbesitzanteil bei mehr gegnerischer Aktivität, hier steigt die eigene PPDA bei weniger eigener Aktivität.
Das ist kein sauberer Gegenbeweis zur Saisonebene. Es ist eher ein Hinweis darauf, dass der rohe PPDA-Wert eines einzelnen Spiels mit Vorsicht zu genießen ist, weil er selbst vom Spielverlauf beeinflusst wird, den er eigentlich erklären soll. Über eine ganze Saison gemittelt gleicht sich das teilweise wieder aus und das eigentliche, stabilere Pressing-Niveau eines Teams tritt hervor, aber für die Frage „warum hat mein Team heute gewonnen" ist ein einzelner Spiel-PPDA-Wert kein verlässlicher Zeuge.
Die Gesichter der These: Bayern, Union und der Meister, der kaum presste
Über die gesamte Karriere im Datensatz betrachtet (nur Teams mit mindestens fünf Saisons) zeigt sich die Bandbreite besonders deutlich an den beiden Polen.
Bayern München Union Berlin andere Teams (16)
Nur Teams mit mindestens 5 Saisons im Datensatz (n = 18).
Bayern München (12 von 12 möglichen Saisons im Datensatz) presst im Schnitt mit einer PPDA von 8,4 so aggressiv wie kein anderer Langzeit-Verein und holt dabei im Schnitt 80,2 Punkte pro Saison, beides jeweils der Bestwert. Am anderen Ende steht Union Berlin: PPDA-Schnitt 15,5, mit Abstand der höchste (also passivste) Wert aller Teams mit mindestens fünf Saisons. Trotzdem landet Union im Schnitt auf Tabellenplatz 9,4, alles andere als ein Absteiger-Kandidat. Passives Pressing bedeutet also nicht automatisch Misserfolg, nur eben seltener den ganz großen Wurf.
Wie stark Bayern das Gesamtbild mitprägt, zeigt sich auch bei den Meistern selbst.
Top 3 im Pressing außerhalb Top 3 (Ausreißer)
Rang 1 = aggressivstes Pressing der Saison, Rang 18 = passivstes. Die gestrichelte Linie markiert die Top-3-Schwelle.
| Saison | Meister | PPDA | Rang in der Liga (1 = aggressivstes Pressing) |
|---|---|---|---|
| 2014/15 | Bayern München | 5,8 | 2 |
| 2015/16 | Bayern München | 6,6 | 2 |
| 2016/17 | Bayern München | 6,5 | 1 |
| 2017/18 | Bayern München | 8,5 | 2 |
| 2018/19 | Bayern München | 8,6 | 1 |
| 2019/20 | Bayern München | 8,1 | 2 |
| 2020/21 | Bayern München | 8,5 | 1 |
| 2021/22 | Bayern München | 8,4 | 2 |
| 2022/23 | Bayern München | 9,0 | 1 |
| 2023/24 | Bayer Leverkusen | 13,1 | 6 |
| 2024/25 | Bayern München | 9,5 | 1 |
| 2025/26 | Bayern München | 9,2 | 2 |
Bayer Leverkusens ungeschlagene Meistersaison 2023/24 ist das schönste Gegenbeispiel im gesamten Datensatz. 90 Punkte, kein einziger Punktverlust über 34 Spieltage, und dabei nur Rang 6 von 18 im ligaweiten Pressing-Ranking, deutlich passiver als jeder andere Meister im Zwölf-Jahres-Fenster. Xabi Alonsos Team gewann seinen Titel über andere Qualitäten als das aggressivste Gegenpressing der Liga. Meister wird man offenbar nicht zwingend über den niedrigsten PPDA-Wert, auch wenn es die Regel eher bestätigt als widerlegt.
Presst die Bundesliga heute eigentlich aggressiver als früher?
Ein Zusatzbefund, der nicht direkt zur Haupt-These gehört, aber zu gut ist, um ihn wegzulassen: Wird in der Bundesliga wirklich immer intensiver gepresst, wie es der „Gegenpressing wird immer wichtiger"-Diskurs seit Jahren suggeriert?
PPDA-Median PPDA-Mittelwert
Höherer PPDA-Wert bedeutet passiveres Pressing.
Der Liga-Median liegt 2014/15 bei 9,1, 2025/26 bei 14,1, ein Anstieg um 55 Prozent, hochsignifikant über die Zeit (r = 0,945, p < 0,0001). Höherer PPDA-Wert heißt passiveres Pressing, der Trend zeigt also in die Gegenrichtung des populären Diskurses. Das relativiert die Gegenpressing-Erzählung zumindest gemessen an dieser einen Kennzahl: Vielleicht ist Pressing als Erfolgsfaktor real, aber die Liga als Ganzes presst deswegen noch lange nicht automatisch mehr. Ein Grund zur Vorsicht bei der Einordnung: PPDA misst nur eine spezifische Pressing-Dimension (Pässe vor der ersten Abwehraktion), keine Presshöhe und keine Sprintdistanz. Der Trend widerlegt nicht, dass moderne Teams taktisch anspruchsvoller pressen, nur dass sie das ausgerechnet häufiger früh im gegnerischen Spielaufbau tun.
Verdikt
Bestätigt (mit Einschränkung). Über eine ganze Saison hinweg holen Bundesliga-Teams mit aggressiverem Pressing spürbar mehr Punkte, ein Zusammenhang, der bestehen bleibt, selbst wenn man nur noch denselben Klub mit sich selbst über die Zeit vergleicht. Im einzelnen Spiel dreht sich das Bild allerdings: Sobald Heimvorteil und Gegnerstärke kontrolliert sind, hängt eine passivere Spiel-PPDA mit einer höheren Siegwahrscheinlichkeit zusammen, vermutlich weil Teams, die bereits führen, schlicht weniger pressen müssen. Pressing gewinnt also eher Meisterschaften als einzelne Spiele: Als Saison-Strategie und Team-Identität hängt es klar mit Erfolg zusammen, als Erklärung für den Ausgang einer einzelnen Partie taugt der rohe PPDA-Wert dagegen kaum.
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