Widerlegt

Mainz 05 ist sehr effizient

Der Spruch

„Mainz 05 ist sehr effizient." Diesen Satz habe ich selbst in die Welt gesetzt, kurz nachdem wir bei MythCheck den großen Chancenverwertungs-Mythos durchgerechnet hatten. Die Logik dahinter fühlte sich damals wasserdicht an: Wir sind seit Jahren ein Verein, der mit kleinerem Kader und kleinerem Budget in der Bundesliga mitspielt, und wer wenig hat, muss das Wenige eben besonders gut nutzen. Vereinseffizienz als Überlebensstrategie, quasi. Und mir fielen sofort zwei Spiele ein, die genau das zu belegen schienen.

Das eine: 21. Dezember 2024, Auswärtssieg in Frankfurt, 3:1. Laut den erwarteten Toren hätten wir aus unseren Chancen an diesem Abend im Schnitt gerade einmal 0,75 Tore machen dürfen. Gemacht haben wir drei.

Kurz erklärt — xG (Expected Goals)

Kurz erklärt — xG (Expected Goals): Ein Maß dafür, wie viele Tore ein Team basierend auf der Qualität seiner Torchancen im Schnitt hätte erzielen sollen. Ein Team, das mehr Tore erzielt als seine xG-Summe, hat seine Chancen besser verwertet, als es die reine Chancenqualität erwarten ließ.

15. Minute: Eigentor von Frankfurts Torhüter Kaua Santos. 27. und 58. Minute: Doppelpack von Paul Nebel. 75. Minute: nur noch ein Ehrentreffer für die Eintracht durch Rasmus Kristensen. Mainz stand zu dem Zeitpunkt unter Bo Henriksen solide auf Rang 7, mitten in der Erfolgsphase, die den Dänen ein Jahr später mit Platz 6 und Conference-League-Qualifikation krönte. Dieses Spiel wirkte wie der Beweis: Wenn's läuft, dann macht Mainz auch die Chancen rein, die eigentlich der Gegner verschenkt. Ehrlich gesagt sollte einem hier schon etwas auffallen, denn ein Eigentor ist naturgemäß kaum eine „erwartete" Torchance, das ist eher Gegner-Patzer als brillantes Kombinationsspiel. Aber wer will bei einem 3:1-Auswärtssieg schon so genau hinschauen.

Das zweite Spiel zeigt, wie trügerisch dieser Eindruck sein kann, sobald man ihn nicht nur auf schöne Erinnerungen stützt. 3. Dezember 2023, Heimspiel gegen Freiburg, 0:1. Über weite Strecken die spielbestimmende Mannschaft, 2,87 xG angehäuft, ein Vielfaches der Freiburger Torgefahr. Nadiem Amiri scheitert in der 60. Minute an einem glänzend parierten Schuss von Noah Atubolu, zehn Minuten später verwandelt Michael Gregoritsch nach einem einstudierten Einwurf-Standard das 0:1 für Freiburg, dabei bleibt es. An diesem Tag war Jan Siewert Trainer, gerade mal einen Monat im Amt, mitten im Feuerwehreinsatz nach Bo Svensens Rücktritt beim schwächsten Saisonstart der Vereinsgeschichte. Mainz stand zu dem Zeitpunkt auf Rang 17, Tordifferenz −13, mittendrin in der wohl schlimmsten Saisonphase des Klubs.

Zwei Trainer, zwei komplett unterschiedliche Ausgangslagen, derselbe Verein: Der eine holt im Höhenflug sogar ein geschenktes Tor ab, der andere bringt im Krisenmodus seine besten Chancen nicht rein. Schön erzählt sich das als Geschichte, und ich sage gleich dazu, dass es genau das bleibt, eine Geschichte aus zwei Einzelspielen, keine Beweisführung. Ob eine Vereinskrise systematisch schlechtere Chancenverwertung begünstigt, haben wir hier gar nicht getestet, dafür bräuchte es eine eigene Untersuchung. Getestet haben wir die größere, einfachere Frage dahinter: Verwertet Mainz 05 über die Bundesliga-Jahre hinweg systematisch besser, als es die eigene Chancenqualität hergibt? Ich war ehrlich überzeugt: ja. Zwölf Saisons Daten später bin ich es nicht mehr.

Die Datenbasis

Grundlage ist derselbe Datensatz, den wir schon für den großen Chancenverwertungs-Mythos aufbereitet hatten: alle 3.672 Bundesliga-Spiele der zwölf Saisons 2014/15 bis 2025/26, aus Understat zu 216 Team-Saisons zusammengefasst (18 Teams pro Saison, über den gesamten Zeitraum 30 verschiedene Vereine durch Auf- und Abstieg). Mainz war in diesen zwölf Jahren durchgehend erstklassig, wir liefern also die vollen zwölf eigenen Team-Saisons zur Rechnung bei. Kein neuer Datenabruf, kein neues Modell, nur eine neue Frage an einen bereits vorhandenen Datensatz: Wie schneidet ausgerechnet Mainz 05 in dieser Kennzahl ab?

Die zentrale Kennzahl bleibt die Netto-Überperformance: erzielte Tore minus xG, plus verhinderte Gegentore minus gegnerische xG. Positiv heißt, ein Team hat seine Chancen besser verwertet (und/oder defensiv besser gehalten), als es die Qualität der Chancen allein erwarten ließ. Negativ heißt das Gegenteil.

Erster Blick: Zwölf Saisons, eine Bilanz

Werfen wir die zwölf Mainzer Saisons einfach nebeneinander.

Im Schnitt über alle zwölf Saisons liegt die Netto-Überperformance bei −3,05 Toren. Nicht bei null, wie man es von einem durchschnittlich verwertenden Verein erwarten würde. Und erst recht nicht deutlich im Plus, wie es die These behauptet. Rein offensiv betrachtet, ohne die defensive Seite mit reinzurechnen, sieht es mit −3,25 Toren im Schnitt praktisch identisch aus.

Das ist schon ein ziemlich eindeutiger erster Fingerzeig. Aber zwölf einzelne Messwerte können auch einfach eine Serie ungünstiger Saisons sein, die bei genauerem Hinsehen im Rauschen verschwindet. Deshalb der nächste Schritt: ein sauberer statistischer Test.

Ist das Zufall, oder ist da wirklich etwas?

Um zu prüfen, ob dieser Minuswert echt ist oder einfach die zufällige Streuung von zwölf Saisons, haben wir einen Einstichproben-t-Test gerechnet, exakt das Verfahren, das im Ursprungsmythos schon für die Bayern-Fallstudie zum Einsatz kam.

Kurz erklärt — Einstichproben-t-Test (gegen den Wert 0)

Kurz erklärt — Einstichproben-t-Test (gegen den Wert 0): Prüft, ob ein gemessener Mittelwert, hier Mainz' durchschnittliche Netto-Überperformance über zwölf Saisons, statistisch bedeutsam von einem Referenzwert abweicht, in diesem Fall vom neutralen Wert 0 (weder Über- noch Unterperformance). Reicht die Streuung der einzelnen Saisonwerte aus, um den Unterschied zu 0 als puren Zufall zu erklären, oder ist er dafür zu deutlich?

Ergebnis: t(11) = −1,47, p = 0,17. Statistisch nicht signifikant, die zwölf Saisons sind zu wenige, um mit hoher Sicherheit auszuschließen, dass der Minuswert Zufall ist. Für die reine Offensivkennzahl sieht es fast identisch aus (t(11) = −1,56, p = 0,15).

Kurz erklärt — p-Wert

Kurz erklärt — p-Wert: Die Wahrscheinlichkeit, ein mindestens so auffälliges Ergebnis rein zufällig zu beobachten, obwohl in Wirklichkeit gar kein echter Effekt existiert. p = 0,17 heißt: Selbst wenn Mainz in Wahrheit exakt xG-neutral verwerten würde, sähe man ein Ergebnis wie dieses in ungefähr jedem sechsten Fall rein zufällig.

Wichtiger als die fehlende Signifikanz ist hier die Richtung: Der Punktschätzer zeigt durchgehend nach unten, nicht nach oben. Für eine These, die eine Über-, keine Unterperformance behauptet, ist das schlechtes Material, ganz unabhängig davon, ob die Abweichung formal „signifikant" ist.

Kurz erklärt — Cohens d

Kurz erklärt — Cohens d: Ein Maß dafür, wie groß ein Effekt der Größe nach ist, unabhängig von der Stichprobengröße. Faustregel: um 0,2 gilt als klein, um 0,5 als moderat, ab 0,8 als groß. Mainz' Wert von d = −0,42 (Netto) beziehungsweise −0,45 (Offensiv) liegt im mittleren Bereich, spürbar, aber nicht dramatisch.

Und jetzt die ehrliche Einordnung, die man bei einer so kleinen Stichprobe nicht unterschlagen darf.

Kurz erklärt — statistische Power

Kurz erklärt — statistische Power: Die Wahrscheinlichkeit, einen echten Effekt einer bestimmten Größe mit einem Test überhaupt zu entdecken, statt ihn im Rauschen zu übersehen. Bei nur zwölf Beobachtungen braucht es einen sehr großen Effekt (Cohens d ≥ 0,89), um ihn mit 80 % Sicherheit zuverlässig nachzuweisen.

Bei Mainz' beobachtetem, nur moderatem Effekt (d ≈ −0,42 bis −0,45) liegt diese Power bei gerade einmal 27 bis 30 Prozent. Übersetzt: Selbst wenn Mainz tatsächlich einen echten, moderat negativen Effekt hätte, würde unser Test das mit dieser Stichprobengröße nur in etwa jedem dritten Anlauf zuverlässig aufdecken. Die fehlende Signifikanz ist also kein Beweis für „gar kein Effekt". Sie ist aber erst recht kein Beweis für die ursprüngliche These, die ja eine positive Überperformance behauptet, nicht bloß irgendeinen Effekt.

Kurz erklärt — Bootstrap-Konfidenzintervall

Kurz erklärt — Bootstrap-Konfidenzintervall: Ein Verfahren, das aus den vorhandenen Daten zehntausendfach neue, leicht zufällig veränderte Stichproben zieht, um daraus einen realistischen Unsicherheitsbereich für einen Messwert zu schätzen. Überdeckt dieser Bereich die Null, ist ein Effekt von genau null Stärke mit den Daten gut vereinbar.

Ein Blick auf das Bootstrap-Konfidenzintervall bestätigt das: Es reicht von −6,97 bis +0,75 Toren (Offensiv: −7,43 bis +0,49) und überstreicht nur ganz am Rand ein kleines Stück positiven Bereich. Eine ausgeprägte positive Chancenverwertungs-Stärke ist mit diesen Daten schlicht nicht plausibel.

Liegt's einfach an der Teamstärke?

Der Ursprungsmythos hatte einen wichtigen Nebenbefund geliefert: Strukturell stärkere Teams wie der FC Bayern überperformen ihre xG-Bilanz im Schnitt etwas häufiger als der Rest der Liga, ein kleiner, aber echter Effekt. Mainz ist im Datensatz ein leicht unterdurchschnittlich starkes Team, gemessen an der eigenen xG-Differenz über alle Spiele. Das wirft die Frage auf: Ist Mainz' Minuswert am Ende einfach dieser generische "schwächere Teams verwerten tendenziell etwas schlechter"-Effekt, oder steckt mehr dahinter?

Ein Teil von Mainz' Minus erklärt sich also tatsächlich durch die eigene, leicht unterdurchschnittliche Teamstärke, aber nur ein kleiner Teil. Rechnet man diesen generischen Effekt heraus, bleibt ein Restwert von −2,70 Toren übrig. Der ist bei nur zwölf Saisons ebenfalls nicht eigenständig signifikant (t(11) = −1,28, p = 0,23), zeigt aber: Selbst wenn man Mainz die übliche "kleinere Teams verwerten im Schnitt geringfügig schlechter"-Entschuldigung zugesteht, bleibt kein Rest übrig, der auch nur in die Nähe einer Chancenverwertungs-Stärke kommt. Das Gegenteil bleibt bestehen, nur eben etwas abgeschwächt.

Und verwertet Mainz wenigstens in guten Jahren konstant besser, also mitgenommen von einer Saison in die nächste? Auch hier: Fehlanzeige. Zwischen der Über- oder Unterperformance einer Saison und der direkten Anschlusssaison findet sich bei Mainz keine positive Kopplung, tendenziell eher das Gegenteil (r = −0,48, n = 11 aufeinanderfolgende Saisonpaare, p = 0,14, bei dieser Stichprobengröße nicht als eigenständiger Beleg tragfähig). Das deckt sich mit dem zentralen Befund des Ursprungsmythos, dass Chancenverwertung von Saison zu Saison kaum vorhersagbar ist, nur eben mit einer für sich genommen viel zu kleinen Stichprobe für einen eigenen Beweis.

Im Vergleich: Unter den Dauergästen das Schlusslicht

Zwölf Saisons für ein einzelnes Team sind wenig. Deshalb lohnt sich der Blick auf die anderen Vereine, die im selben Zeitraum in der Liga standen, als Vergleichsmaßstab.

Unter allen 30 Klubs, die zwischen 2014/15 und 2025/26 mindestens eine Bundesliga-Saison bestritten haben, liegt Mainz bei der mittleren Netto-Überperformance auf Rang 21 von 30, im unteren Drittel. Am fairsten lässt sich das aber im Vergleich mit den Vereinen einordnen, die wie Mainz alle zwölf Saisons durchgehend erstklassig gespielt haben, neun Klubs insgesamt.

TeamØ Netto-Überperformance pro SaisonRang
Bayern München+8,64 Tore1
Bayer Leverkusen+4,13 Tore2
Borussia Dortmund+3,07 Tore3
Borussia Mönchengladbach+2,51 Tore4
Hoffenheim+1,78 Tore5
Augsburg+1,37 Tore6
Eintracht Frankfurt+0,16 Tore7
Wolfsburg−0,26 Tore8
Mainz 05−3,05 Tore9

Schlusslicht, und nicht knapp: Der Abstand zum Vorletzten (Wolfsburg, −0,26) ist größer als der Abstand zwischen Wolfsburg und Frankfurt auf Rang 7. Rein offensiv betrachtet landet Mainz unter denselben neun Vereinen ebenfalls auf dem letzten Platz.

Dieselbe Geschichte lässt sich auch über Perzentile erzählen.

Kurz erklärt — Perzentil

Kurz erklärt — Perzentil: Gibt an, wie viel Prozent aller Vergleichswerte unterhalb eines bestimmten Werts liegen. Das 37,5. Perzentil heißt: 37,5 Prozent aller Team-Saisons in der Liga schneiden schlechter ab als der Mainzer Mittelwert, umgekehrt also 62,5 Prozent besser.

Nur 5 der 12 einzelnen Mainzer Saisons liegen überhaupt über dem ligaweiten Median. Wer bei einer echten Stärke eine Mehrheit der Jahre mit überdurchschnittlicher Verwertung erwarten würde, findet hier das Gegenteil.

Die vier Extremjahre

Ein Blick auf die auffälligsten Einzeljahre macht das noch greifbarer und zeigt gleichzeitig, wie wenig Chancenverwertung allein über den sportlichen Erfolg entscheidet.

SaisonWertTabellenplatzEinordnung
2024/25 (beste Netto-Saison)+7,33 Tore netto6Getragen von starker Abwehr (+8,15), Offensive mit −0,82 sogar leicht unterdurchschnittlich
2020/21 (schlechteste Netto-Saison)−13,26 Tore netto12Schwächste Netto-Bilanz im gesamten Zeitraum, 2023/24 mit −13,16 fast gleichauf
2017/18 (beste Offensiv-Saison)+6,35 Tore offensiv14Einzige Saison mit klar überdurchschnittlichem Finishing, gleichzeitig schwache Abwehr und Abstiegsnähe
2025/26 (schlechteste Offensiv-Saison)−19,26 Tore offensiv10Schlechteste Chancenverwertung der Mainzer Bundesliga-Historie im Datensatz, trotzdem ein unauffälliger Tabellenplatz 10

Vor allem die letzte Zeile passt schlecht zur ursprünglichen These. Wäre effiziente Chancenverwertung ein echtes Mainzer Erfolgsrezept, müsste ausgerechnet die mit Abstand schlechteste Verwertungs-Saison der Vereinsgeschichte im Datensatz doch eigentlich in einer Katastrophensaison enden. Stattdessen: ein völlig unauffälliger Tabellenplatz 10.

Zurück zu den zwei Spielen vom Anfang. Das Frankfurt-Spiel vom Dezember 2024 fällt tatsächlich in die beste Mainzer Netto-Saison überhaupt, 2024/25. Nur dass diese Saison, wie oben gezeigt, ihre Stärke vor allem der Abwehr verdankt, nicht dem Sturm, und dass eines der drei Tore an jenem Abend ein Frankfurter Eigentor war, das keine xG-Statistik der Welt als Mainzer Chancenqualität verbucht. Das Freiburg-Spiel dagegen fällt fast exakt in die zweitschlechteste Mainzer Netto-Saison, 2023/24 mit −13,16 Toren. Zwei einprägsame Einzelspiele, die im Rückblick ziemlich genau zu dem passen, was die große Zahl längst zeigt: Wenn Mainz seine Chancen mal richtig gut verwertet, hat das oft mehr mit Losglück oder Gegnerfehlern zu tun als mit einer systematischen Stärke, die sich Jahr für Jahr abrufen lässt.

Verdikt

Widerlegt. Mainz 05 überperformt seine eigene xG-Bilanz nicht systematisch, im Gegenteil: Der Punktschätzer zeigt über zwölf Saisons in die exakt entgegengesetzte Richtung (−3,05 Tore netto im Schnitt), auch wenn das bei nur zwölf Beobachtungen nicht eigenständig statistisch signifikant ist. Unter den neun Bundesliga-Vereinen, die wie Mainz seit 2014/15 ununterbrochen erstklassig sind, liegt Mainz auf dem letzten Platz, sowohl netto als auch rein offensiv. Sorry an mein früheres Ich, das diese These aufgestellt hat: Die eigenen Daten lassen sich hier nicht schönreden.

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Quellen & Methodik
  • Daten: Understat.com, ursprünglich abgerufen über das Python-Paket soccerdata am 02.09.2026 (Bundesliga-Saisons 2014/15–2025/26, 3.672 Spiele). Für diesen Mythos ohne neuen Netzwerk-Abruf vollständig aus dem bereits für „Chancenverwertung ist Glückssache" aufbereiteten Datensatz abgeleitet (13.09.2026), 216 Team-Saisons (18 Teams × 12 Saisons), davon 12 Mainzer Saisons. Tabellenplätze für die Saison-Anekdoten zusätzlich aus OpenLigaDB (openligadb_matches.parquet im Warehouse, ursprünglich abgerufen am 01.09.2026), ebenfalls ohne neuen Netzwerk-Abruf.
  • Nicht enthalten: eine spielweise oder spielerscharfe Analyse (die Prüfung erfolgt auf Team-Saison-Ebene, nicht auf Einzelspiel- oder Einzelspielerebene), ein Abgleich mit qualitativen Trainer- oder Experteneinschätzungen (z. B. Videoanalyse einzelner Chancenqualität), sowie ein direkter Test, ob sportliche Krisenzeiten systematisch schlechtere Chancenverwertung begünstigen. Die beiden einleitend geschilderten Einzelspiele (Frankfurt 2024, Freiburg 2023) sind reine erzählerische Illustration, keine eigenständig getestete Aussage.
  • Methode: Einstichproben-t-Test gegen den Referenzwert 0 (identisches Verfahren wie beim Bayern-Sondertest im Ursprungsmythos), Cohens d als Effektstärkemaß, Bootstrap-95-%-Konfidenzintervalle (10.000 Resamples), eine Power-Analyse zur ehrlichen Einordnung der fehlenden Signifikanz bei n = 12, eine Kontrollrechnung des generischen Teamstärke-Effekts aus dem Ursprungsmythos (Regressions-Steigung Tordifferenz auf xG-Differenz) sowie eine Perzentil-Einordnung und ein Team-Ranking über alle 30 beziehungsweise die 9 durchgehend erstklassigen Bundesligisten im Zeitraum.
  • Offene Einschränkungen:
    • Kleine Stichprobe: nur 12 Bundesliga-Saisons für Mainz. Laut Power-Analyse wird bei n = 12 erst ab einem großen Effekt (Cohens d ≥ 0,89) zuverlässig (80 % Power) etwas entdeckt, der beobachtete moderate Effekt (d ≈ −0,42 bis −0,45) hat nur rund 27 bis 30 Prozent Power. Die fehlende Signifikanz beweist also kein „kein Effekt", ändert aber nichts daran, dass der Punktschätzer durchgehend in die falsche Richtung für die ursprüngliche These zeigt.
    • xG ist ein Modell, kein gemessener Wert (Understat, proprietär). Leichte Abweichungen zu anderen xG-Anbietern sind normal, keine Datenqualitätslücke.
    • Der eigene Persistenz-Check (Saison zu Saison bei Mainz selbst, r = −0,48, n = 11 Paare, p = 0,14) ist für einen eigenständigen Beleg zu klein dimensioniert, deckt sich aber mit dem zentralen Nullbefund des Ursprungsmythos.
    • Der Teamstärke-Kontrollcheck (Restresiduum −2,70 Tore nach Herausrechnen des generischen Effekts) ist bei n = 12 ebenfalls nicht eigenständig signifikant (p = 0,23).
  • Vollständiges, ausführbares Analyse-Notebook mit allen Zwischenschritten: analysis/notebooks/mainz-05-chancenverwertung.ipynb im Repo.
Mythos vorschlagen